Vorrunde der Deutschen Schachamateurmeisterschaft in Kassel

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Die Deutsche Schachamateurmeisterschaft hat dieses Jahr einige Veränderungen zu verzeichnen. Bislang war das Turnier unter der Bezeichnung Ramada-Cup bekannt. Aber nachdem die Betreiberkette die Marke Ramada aufgegeben hat – das Kasseler Hotel heißt jetzt H4 Hotel Kassel City Centre – firmiert das Turnier jetzt als DSAM-Cup. Der große Zuspruch machte es möglich, in München eine siebente Vorrundengruppe zu installieren, in sieben Leistungsgruppen zu spielen und auch den jeweils siebenten Platz zur Endrundenqualifikation zuzulassen. Sinnbildlich wurde das dadurch ausgedrückt, daß man während der Wartephasen den Trailer zu dem Filmklassiker Die glorreichen Sieben spielte. Das provozierte (wahrscheinlich nicht nur) bei mir den Witz, daß man zum Glück auf David Finchers großartigen Thriller Sieben verzichtet hat, denn bei den lief ein Teil des Publikums mit Brechreiz aus den Kinovorstellungen. Ansonsten bleibt alles wie gehabt: fünf Runden mit 90 + 15 Minuten + 30 Sekunden Bonus vom ersten Zug, was heftige Zeitnotschlachten garantiert; die nicht enden wollenden Assoziationsketten in den Ansprachen von Organisationschef Dr. Dirk Jordan; Ehrungen für die zehnte, funfundzwanzigste und fünzigste Teilnahme an den Vorrunden etc. pp.

Apropos Ehrungen: Heuer war auch ich bei den Zehnfachen (7 × Kassel, 3 × Hamburg) mit dabei. Die ersten beiden Teilnahmen waren noch in der C-Gruppe (TWZ 1701-1900), und beim zweiten Mal konnte ich mich für das Finale qualifizieren, wo ich als vierter auch unter die Preisträger kam. Danach mußte ich in der B-Gruppe antreten (TWZ 1901-2100), wo mir nie mehr als 50%-Resultate gelangen. Insofern ging ich auch dieses Jahr nicht mit großen Erwartungen an den Start. Die Grippewelle hatte voll zugeschlagen und die Absage von 60 vorangemeldeten Spielern erzwungen (trotzdem wurden es noch über 300 Teilnehmer). Auch für mich folgte das Turnier auf einen lästigen Infekt, und die Geschehnisse in der ersten Runde ließen vermuten, daß es zu früh kam. Gegen Manfred Woynowski vom FC St. Pauli – ja, die haben auch eine Schachabteilung – stellte ich schon in der Eröffnung völlig unmotiviert einen blanken Turm ein. Natürlich habe ich einen Moment darüber nachgedacht, sofort aufzugeben und auch das Turnier abzubrechen. Zum Glück habe ich beides nicht getan.

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[Event "DSAM-Cup prelim B"] [Site "Kassel"] [Date "2018.03.23"] [Round "1.21"] [White "Braun, Ingram"] [Black "Woynowski, Manfred"] [Result "1-0"] [ECO "B26"] [WhiteElo "1987"] [BlackElo "1819"] [Annotator "Braun,Ingram"] [SetUp "1"] [FEN "r3k2r/1pqbnpbp/p2pp1p1/2p5/P2nP3/3PBNP1/1PPQ1PBP/R2N1RK1 w kq - 0 12"] [PlyCount "47"] [EventDate "2018.03.23"] [EventType "swiss"] [EventRounds "5"] [EventCountry "GER"] [SourceDate "2017.02.10"] [SourceVersionDate "2017.02.10"] 12. c3 $4 {Hier muß ich für ca. eine Viertelstunde völlig verwirrt gewesen sein. Denn nicht nur die Züge sind schlecht, sondern ich habe auch vier Züge gar nicht mitgeschrieben.} Nb3 13. Qc2 $2 {Hier dachte ich noch, ich könnte den Springer fangen, weil ich nicht gesehen hatte, daß er einfach über a5 entfleucht.} Nxa1 14. Qb1 Nb3 15. Qa2 {Die Stellung ist korrekt aufgebaut. Weiß fehlt tatsächlich ein ganzer Turm ohne jede Kompensation. Also eine echte Vorgabepartie.} Na5 (15... c4 $144) 16. Bg5 {Jetzt fange ich wieder an, vernünftig zu spielen. Der König soll in der Mitte gehalten werden.} h6 17. Bxe7 Kxe7 18. Ne3 Nc6 19. Nh4 {[%cal Gf2f4,Gf4f5]} g5 20. Nhf5+ Kf8 (20... exf5 $4 21. Nd5+) 21. Nxg7 Kxg7 {Jetzt ist auch diese Verteidigungsfigur abgetauscht.} 22. f4 f6 23. Bh3 {[%cal Gh3e6,Ga2e6]} Rae8 24. Qb3 {[%cal Gb3d1,Gd1h5]} Rhf8 25. Qd1 Bc8 26. f5 {Hier fiel mir nichts anderes mehr ein.} e5 {Natürlich! Im Prinzip sind jetzt sowohl der Turm als auch der Läufer des Anziehenden außer Spiel.} 27. Bg4 {[%cal Gg4h5,Gh5g6, Ge3g4,Ge3d5] Weiß hat noch vage Angriffsideen. Natürlich können die nicht durchschlagen, aber man muß halt auch nicht gleich aufgeben.} Qf7 $2 {Das stellt jetzt die Dame passiv. Das reicht mit einem Mehrturm selbstverständlich immer noch, ist aber eben auch nicht das Beste.} ({Nach} 27... Ne7 {hätte ich vermutlich aufgegeben. Das Eindringen über die weißen Felder wie im Text ist dann ohne Springertausch nicht mehr möglich.}) 28. Bh5 Qg8 29. Bg6 {Es ist natürlich sinnlos, die Qualität nehmen zu wollen, wenn man einen ganzen Turm im Hintertreffen ist und dafür die Angriffsfiguren abtauschen muß.} Rf7 $2 {Jetzt hat er sich eine ganze Menge Felder verstellt. Der Computer findet hier noch schwarze Gewinnvarianten, die aber rechentechnisch schon nicht mehr trivial sind.} (29... Ne7 $1 {wäre hier immer noch eine zureichende Verteidigung gewesen.} 30. Qh5 Nxg6 31. Qxg6+ (31. Ng4 Qh7 {und alles ist verteidigt.} (31... Ne7 $4 32. Qxh6+ Kf7 33. Qxf6#)) 31... Kh8 32. Qxh6+ (32. Qh5 Bd7 33. Ng4 Bxa4 34. Nxh6 Qh7 {und wiederum geht es für Weiß nicht weiter.}) 32... Qh7 {führt jetzt zum Damentausch.}) 30. Qh5 Kf8 $2 (30... Ref8 31. h4 gxh4 32. gxh4 Kh8 33. Kh2 (33. Qxh6+ Rh7 34. Qxh7+ Qxh7 35. Bxh7 Kxh7 {läßt Schwarz immer noch gewinnen.}) 33... Rh7 34. Rg1 Ne7 35. Nc4 d5 36. Nb6 Rd8 $19 {ist jetzt die klare Gewinnvariante, aber das ist von der Berechnung schon nicht mehr trivial.}) 31. Ng4 $2 {Weiß hat es fast geschafft und greift fehl!} (31. Nd5 $1 Ree7 $1 32. h4 Qg7 33. hxg5 hxg5 34. Kf2 b5 35. Rh1 Bb7 36. axb5 axb5 37. Ke3 b4 {Schwarz hat immer noch netto einen ganzen Turm mehr, aber er kann seine Figuren nicht mehr entknoten.} (37... Ke8 $2 38. Nxe7 Kxe7 39. Bxf7 Qxf7 40. Qh8) (37... Nd8 $2 38. Qh8+ Qxh8 39. Rxh8+ Kg7 40. Rh7+ {Dauerschach} Kg8 $4 41. Nxe7+) (37... Rd7 $2 38. Qh8+ Qxh8 39. Rxh8+ Kg7 40. Rh7+ Kg8 41. Nxf6+) 38. Kf2 (38. Qh8+ $2 {Hier gibt es kein Dauerschach, weil der Turm e7 durch den Springer gedeckt ist.} Qxh8 39. Rxh8+ Kg7 40. Rh7+ Kg8) 38... Rd7 39. Qh8+ Qxh8 40. Rxh8+ Kg7 41. Rh7+ Kg8 42. Nxf6+ Rxf6 43. Rxd7 Na5 44. cxb4 cxb4 {Schwarz steht immer noch etwas besser, aber keineswegs mehr einfach auf Gewinn.}) 31... Ke7 $2 $11 (31... Qg7 $1 32. Nxh6 (32. Bxf7 Qxf7 33. Qxh6+ Ke7) 32... Nd8 {und Weiß hat nicht mehr als den Rückgewinn einer Qualität.}) 32. Nxh6 Qh8 $2 (32... Qg7 $142 33. Nxf7 Rf8 34. Nxg5 fxg5 35. g4 {In diesen Endspielen liegen die Chancen eher bei Weiß, weil Schwarz die Bauernmasse nicht ohne Rückopfer der Figur aufhalten kann.} (35. Qxg5+ $2 Qf6 36. Qe3 Rh8 {Und Weiß kann nicht mehr g4 und h4 durchsetzen.} 37. g4 (37. h4) 37... Qh4) 35... Nd8 (35... Qf6 $2 36. h4) 36. h4 gxh4 37. g5 Qh8 38. f6+ Kd7 39. Qxh8 Rxh8 40. Bf5+ Kc7 41. g6 Bxf5 42. exf5 Nf7 $1 {Um die Bauernmasse zu entwerten.} (42... Kd7 43. Kh2 Nf7 44. b4 {Will eine Linie am Damenflügel öffnen, damit der Turm von der anderen Seite eingreifen kann.} ( 44. gxf7 Rf8 45. Rg1 Rxf7 46. Rg7 Ke8 47. Kh3 Rxf6 48. Rxb7 Rxf5 49. Kxh4 $11) 44... cxb4 45. cxb4 h3 46. gxf7 Rf8 47. Rg1 Rxf7 48. Rg6 Ke8 49. Kxh3 Rh7+ 50. Kg4 Kf8 51. f7 Rg7 (51... Rxf7 52. Rxd6 $18) (51... Kxf7 $2 52. Rxd6) 52. Kg5 Kxf7 53. Kh6 Rg8 54. Rxd6 Rg2 55. Rb6 $18) 43. Kh2 Kd8 44. b4 c4 45. dxc4) 33. Bxf7 Rf8 34. Qg6 $2 (34. Be6 {war der klare Gewinn.} Bxe6 35. fxe6 Kxe6 36. Qg4+ Ke7 37. Nf5+ Kd8 38. Nxd6 Kc7 39. Qe6 Qg8 40. Qxg8 Rxg8 41. Rxf6) 34... Nd8 $2 {das verstellt seinem König das notwendige Fluchtfeld.} (34... Bd7 $1 35. b3 {und Weiß hat einen Bauern mehr, aber keinen gefährlichen Angriff.} ( 35. Ng8+ Kd8 36. Nxf6 Ne7 37. Qxg5 Rxf7 38. Nxd7 Kxd7 39. Qd2 $11)) 35. Ng8+ ( 35. Ng8+ Rxg8 (35... Kd7 36. Nxf6+ Kc6 (36... Kc7 37. Ne8+ Rxe8 (37... Kc6 38. Qxd6#) (37... Kb8 38. Qxd6+ Ka8 39. Qxd8) 38. Bxe8 $18) 37. Bd5+ Kc7 38. Nh7 ( 38. Ne8+ Rxe8) 38... Re8 39. f6) 36. Bxg8 $18) 1-0
Die Partie Braun – Woynowski. Das Bild stellte dankenswerterweise Wolfgang Klettke (Caissa Wolfenbüttel) zur Verfügung.

In der zweiten Runde spielte ich dann gegen den ältesten Teilnehmern des gesamten Turniers, CM Hubert Walkewitz vom brandenburgischen SV Grün-Weiß Niemegk (Jahrgang 1934!). Es war eine alles andere als fehlerfreie, aber ziemlich spannende Kampfpartie.

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[Event "DSAM-Cup prelim B"] [Site "Kassel"] [Date "2018.03.23"] [Round "2.4"] [White "Braun, Ingram"] [Black "Walkewitz, Hubert"] [Result "1-0"] [ECO "B01"] [WhiteElo "1987"] [BlackElo "2073"] [Annotator "Braun,Ingram"] [SetUp "1"] [FEN "r2qk2r/1p1n1p1p/2p1p1b1/p4p2/P1B2P2/2PP2N1/2P1Q1PP/R4RK1 b kq - 0 17"] [PlyCount "86"] [EventDate "2018.03.23"] [EventType "swiss"] [EventRounds "5"] [EventCountry "GER"] [SourceDate "2017.02.10"] [SourceVersionDate "2017.02.10"] 17... O-O {Hier dachte ich, ich müßte wegen des schrecklichen Läufers auf g6 klaren Vorteil haben. Das überschätzt aber wohl die Stellung. Der Springer auf g3 steht auch nicht gut.} 18. d4 $6 {Sieht auf den ersten Blick logisch aus, ist aber wohl nicht die stärkste Idee. Irgendwann taucht der Springer auf d5 auf, und nach dem Tausch hat Schwarz die c-Linie, um gegen die Doppelbauern zu spielen.} Qh4 {[%cal Gd7f6,Gf6g4,Gg4h2] Legt die weißen Schwächen offen. Es droht ganz simpel Figurengewinn, weil nach h3 der Springer hinge.} 19. Rab1 Rab8 20. Qe1 Rfe8 (20... Nf6 $2 21. Ne4 $1 Qxe1 22. Nxf6+ Kg7 23. Rfxe1 Kxf6 24. Rb6 {Jetzt, wo kein Springer mehr nach d5 kommen kann, steht Weiß wirklich besser.}) 21. Rf3 Nf6 22. h3 b6 23. Rf1 (23. Qe5 Nd5 24. Bxd5 cxd5 25. Nf1) 23... Nd5 24. Bxd5 cxd5 25. Kh2 $2 {Das führt zu taktischen Problemen auf der Diagonale b8-h2.} (25. c4 $142 dxc4 26. Qc3 $11) 25... Qd8 26. Qe5 f6 {e6 läßt sich immer mit Lf7 decken. Eventuell spielt Schwarz selbst einmal e5.} 27. Qe2 Qc7 {[%cal Gc7c3,Gc7f4]} 28. Rf3 (28. c4 { Der Computer will wiederum den wertlosen Doppelbauern wegwerfen, um das schwarze Spiel zu mindern.}) 28... Re7 29. Re1 Rbe8 {[%cal Ge6e5]} 30. Qb5 Rd8 31. Kh1 Rd6 32. Rfe3 Rc6 33. Qd3 $2 $138 {Ein Zeitnotfehler.} (33. c4 {Jetzt hat Weiß nichts anderes mehr. Immerhin muß Schwarz mit dem Bauern schlagen.} dxc4 (33... Rxc4 $2 34. Rxe6)) 33... Qxf4 {Uff, das war mir entgangen.} 34. Qa6 Qc7 {[%cal Gf5f4] und der Läufer spielt wieder mit. Eigentlich steht Schwarz hier völlig auf Gewinn.} 35. Nf1 f4 36. R3e2 Be4 {[%cal Gf4f3]} 37. Nd2 Bf5 $2 ({Hier sprach überhaupt nichts gegen} 37... Bxc2) 38. c4 {Jetzt kann Schwarz noch nach taktischen Schwindelchancen suchen.} Rd6 (38... dxc4 39. Ne4 { [%csl Gf6]} (39. d5 Rc5 40. dxe6 Bxc2) 39... Kg7 40. Nc3 {[%cal Gd4d5] Weiß steht schlechter, spielt aber mit.}) 39. Qb5 Qd7 $2 {Ein typischer Sicherungszug in Zeitnot, der viel vom schwarzen Vorteil vergibt.} (39... Bxc2 {und die weißen Angriffsideen schlagen nicht durch.} 40. cxd5 Rxd5 41. Qxd5 ( 41. Qb2 Bf5 42. Ne4 Rf7) 41... exd5 42. Rxe7 Qc3) 40. c5 bxc5 41. dxc5 Rc6 ( 41... Qxb5 $2 42. axb5 Rd8 43. Nb3 {und die Türme tun sich schwer mit dem Bauernpaar, weswegen Weiß das Endspiel wohl halten kann..}) 42. Nb3 $2 ({ Wichtiger als den Bauern auf c5 zu halten, wäre es gewesen, den f4 zu vernichten.} 42. Qb8+ Re8 43. Qxf4 $17) 42... Be4 $2 {Übersieht den Bauernverlust.} (42... Qc7 $2 43. Nd4 Rxc5 44. Qa6 Qa7 45. Qd6 Rd7 46. Qxf4 $11 ) (42... Rc8 $1 43. Nd4) 43. Qb8+ Qc8 44. Qxf4 e5 45. Qh4 (45. Qh6 $2 f5) (45. Qd2 $4 Qxh3+) 45... Rg7 46. Rxe4 $6 {Meine 15 Minuten Zuschlag habe ich fast aufgebraucht. Ich dachte, ich müßte den Läufer wegen f5 und Tcg6 sofort nehmen, um noch auf e4 zurückschlagen zu können.} (46. c4 $1 dxc4 $2 (46... Qf5 47. Nd2 $1 Bd3 48. cxd5 Rxc5 49. Rf2) 47. Nxa5) (46. Rf2 f5 {[%cal Gc6g6]} 47. Nd2 {vernichtet das Monster auf e4 allerdings auch.} Bxc2 $2 48. Rxe5) 46... dxe4 47. Qxe4 $15 {Diese Stellung hält der Computer für nur wenig besser für Schwarz. Allerdings ist sie im Blitzen wegen der offeneren schwarzen Königstellung wohl wirklich für Weiß angenehmer zu spielen.} Rgc7 48. Rf1 Qe6 49. Rf3 {[%cal Gf3g3]} Rf7 50. Rg3+ $2 Rg7 $2 (50... Kh8 $142) 51. Rd3 f5 $2 {Objektiv nur eine Ungenauigkeit, aber im Blitzmodus war es wohl keine gute Idee, Weiß auf die Grundreihe einzuladen.} 52. Rd8+ Kf7 53. Qd3 Ke7 54. Ra8 $2 (54. Rd5 $11) 54... Rc7 $4 {Da ist es passiert.} (54... Qd7 $1 { und Schwarz steht völlig sicher.}) 55. Qd8+ Kf7 56. Qxc7+ Kf6 57. Rf8+ Kg6 58. Qb6 Qxb6 59. cxb6 Rb7 60. Re8 {und Schwarz überschritt die Zeit.} 1-0

In der dritten Runde bekam ich es dann mit dem späteren Gruppensieger Ralf Schöngart (SF Buxtehude) zu tun. Wiederum eine spannende Kampfpartie, bei der die Vorteile meistenteils bei meinem Gegner lagen. Es ist nicht ganz untypisch, daß ich die Partie just zu dem Zeitpunkt verlor, als er eigentlich gerade etwas den Faden verloren hatte.

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[Event "DSAM-Cup prelim B"] [Site "Kassel"] [Date "2018.03.24"] [Round "3.5"] [White "Schoengart, Ralf"] [Black "Braun, Ingram"] [Result "1-0"] [ECO "E61"] [WhiteElo "2050"] [BlackElo "1987"] [Annotator "Braun,Ingram"] [SetUp "1"] [FEN "2r2rk1/1bqnppbp/pp1p1np1/8/P1PP4/1PN2N2/1B1QBPPP/R2R2K1 b - - 0 14"] [PlyCount "70"] [EventDate "2018.03.23"] [EventType "swiss"] [EventRounds "5"] [EventCountry "GER"] [SourceDate "2017.02.10"] [SourceVersionDate "2017.02.10"] 14... Ne4 $6 {Wohl keine so gute Idee. ich wollte den weißen Raumvorteil durch den Springertausch etwas entwerten.} ({Das typische} 14... e5 {wäre besser gewesen.}) 15. Nxe4 Bxe4 16. Ne1 Bb7 ({Nachdem ich den Sc3 schon abgetauscht hatte, hätte ich wenigstens die weiße Bauernmasse mit} 16... a5 { festlegen sollen. Das gilt auch für die folgenden Züge.}) 17. Bg4 Rcd8 18. Bf3 Nf6 19. d5 Nd7 $2 (19... e5 20. dxe6 fxe6 {ist gut spielbar.}) 20. Bxg7 Kxg7 21. a5 {Da ist es passiert.} Kg8 {Es macht natürlich taktische Probleme, wenn ständig Schachs drohen.} (21... bxa5 {wäre aber wohl trotzdem besser gewesen.}) 22. Nd3 (22. axb6 Qxb6 23. Qd4) 22... Nc5 $2 (22... e6 $142 23. Rdc1 Nc5 24. axb6 Qxb6 25. dxe6 Nxe6) 23. axb6 Qxb6 24. Nxc5 Qxc5 (24... dxc5 { hatte ich lange überlegt, aber mir schien der Bauer doch langfristig zu anfällig. Der Computer würde ihn tatsächlich vorziehen.}) 25. Re1 Rfe8 26. Re4 $2 {[%cal Ge4h4,Gd2h6,Ga1e1]} ({Ein Angriff auf der h-Linie gegen die verwaiste weiße Königsstellung wäre viel besser mit} 26. h4 $1 $16 { einzuleiten gewesen.}) 26... e5 27. Rh4 (27. dxe6 $2 Bxe4 28. exf7+ $2 Kxf7 { funktioniert nicht, weil der Läufer e4 jetzt gedeckt ist.}) 27... f5 28. Qg5 Rd7 29. Rh6 Rg7 (29... e4 {hätte man durchaus spielen können, denn} 30. Rxg6+ {gibt nicht mehr als Dauerschach:} hxg6 31. Qxg6+ Kf8 32. Qh6+ Ke7 33. Qg5+) 30. h4 e4 31. Be2 Qd4 32. Rd1 Qe5 $2 (32... Qb2 $142 33. Kf1 $2 f4 $1 {Dieses Motiv hatte ich überhaupt nicht auf der Pfanne.} 34. f3 (34. Qxf4 $2 e3 $19) 34... Rf8 35. fxe4 Bc8 36. Bf3 Bd7 $15) 33. g3 $2 (33. h5 $1 {und plötzlich steckt Schwarz in Schwierigkeiten.} f4 (33... Qe7 34. Qxe7 Rexe7 35. b4 { [%cal Gc4c5]}) 34. Qxe5 Rxe5 35. Bg4 {[%cal Gg4e6]}) 33... Bc8 34. b4 $2 (34. h5 gxh5 35. Qxh5 e3 36. Kf1 exf2 37. Re6 Rxe6 38. dxe6 Rg6 (38... Bxe6 $4 39. Qe8#) (38... Qxe6 $2 39. c5 {[%cal Ge2c4,Gc4g8]}) 39. e7 Qxe7 40. Qh4 $11) 34... Qb2 35. Kf1 Qxb4 $2 ({Schade!} 35... f4 $1 {gewinnt sofort.} 36. g4 (36. Qxf4 Bh3+ 37. Ke1 e3) 36... f3) 36. Qf4 Re5 $2 {Ein ziemlich bescheuerter Zug, weil er den Turm in eine taktische Abhängigkeit stellt.} (36... Qb2 $1 37. Qxd6 $2 f4) 37. c5 Rge7 $2 {Jetzt stehen die schwarzen Figuren maximal schlecht und Weiß gewinnt.} (37... Qxc5 $4 38. Rc1 {[%cal Gc1c8]}) (37... a5 38. cxd6 Re8 $11) 38. cxd6 $2 (38. h5 $1 Rg7 39. hxg6 Rxg6 40. Rxg6+ hxg6 41. Qh6 Qb7 42. Qxg6+ Qg7 43. Qxd6 $18) 38... Qxd6 $11 39. h5 Kg7 $2 {Die richtige Idee in einer falschen Ausführung. Jetzt ist es endgültig vorbei.} (39... R5e6 $1 $11 40. dxe6 Qxf4 41. gxf4 Kg7 {und Schwarz holt sich den Minusturm wieder.}) 40. hxg6 hxg6 41. Qh4 Rc7 (41... Re8 42. Kg2 {[%cal Gd1h1]} Qd8 43. Rh7+ Kg8 44. Rh8+ Kf7 45. Qxd8 Rxd8 46. Rxd8) 42. Rh7+ Kg8 43. Rh8+ Kf7 44. Rd8 Qe7 45. Qh7+ Kf6 46. Qh8+ Qg7 47. Rf8+ Rf7 48. Qxg7+ Kxg7 49. Rxc8 ({Während ich darüber nachdachte, ob} 49. Rxc8 f4 {noch einen Versuch wert ist, fiel die Zeit. Allerdings verändert das am Resultat sowieso nichts mehr.}) 1-0

In der vierten Runde fehlte meinem Gegner Siegmund Kolthoff (Breloher SC) eine durchschlagende Idee als Weißer gegen einen Aufbau mit isoliertem Damenbauer, weswegen wir uns relativ früh auf Remis einigten. In der letzten Runde folgte dann der in Südniedersachsen wohlbekannte Dr. Werner Freier, der beim Hildesheimer SV mit beachtlichem Erfolg als Vereinsvorsitzender agiert. Meine datenbankgetriggerte Vermutung, daß er sich in der gewählten Eröffnung mit den Nebenvarianten nicht so gut auskennt, erfüllte sich voll. Schon im zweiten Zug nahm er einen ordentlichen Schluck aus der Zeitpulle und wurde der Probleme dennoch nicht Herr.

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[Event "DSAM-Cup prelim B"] [Site "Kassel"] [Date "2018.03.25"] [Round "5.13"] [White "Braun, Ingram"] [Black "Freier, Werner"] [Result "1-0"] [ECO "B20"] [WhiteElo "1987"] [BlackElo "1890"] [Annotator "Braun,Ingram"] [SetUp "1"] [FEN "r1bqk2r/p3npbp/1pn3p1/2pp4/8/2PPBNP1/PP3PBP/RN1Q1RK1 w kq - 0 10"] [PlyCount "29"] [EventDate "2018.03.23"] [EventType "swiss"] [EventRounds "5"] [EventCountry "GER"] [SourceDate "2017.02.10"] [SourceVersionDate "2017.02.10"] 10. d4 {Ich dachte, das bringt mir eine bequeme Stellung ein.} c4 (10... Nf5 11. Bg5 Nce7 12. Re1 h6 {wäre hier der Weg zum Ausgleich gewesen.}) (10... Rb8 11. dxc5 bxc5 12. Bxc5 Rxb2 13. Nd4 Qa5 14. Bd6 Nxd4 15. cxd4 Bf6 {ist laut Computer auch gut spielbar.}) 11. b3 b5 $2 {Das sah mir verdächtig aus. Er hat noch nicht rochiert und läßt die Öffnung der Stellung zu.} (11... Bf5 12. bxc4 dxc4) (11... O-O 12. bxc4 dxc4) 12. a4 cxb3 $2 (12... b4 {hätte es jetzt schon sein müssen.} 13. bxc4 Ba6 14. Re1 Bxc4 15. cxb4 Nxb4 16. Bg5 f6 17. Bd2 {Das möchte ich aber auch lieber mit Weiß spielen.}) 13. axb5 Na5 14. Nbd2 Rb8 15. Nxb3 Nxb3 (15... Rxb5 16. Nxa5 Rxa5 17. Rxa5 Qxa5 18. Qa1 Nc6 19. Nd2 {gibt auch ein sehr freudloses Endspiel für Schwarz.}) 16. Qxb3 a6 17. Bg5 f6 $2 {(=) Mein Gegner hatte zwar Geburtstag, aber ein Remis in dieser Stellung wäre doch ein zu großes Geschenk gewesen.} (17... O-O 18. Rfe1 Rxb5 19. Qa2 Be6 20. Qxa6 Rb6 21. Qa5 {ist auch nicht vergnügungssteuerpflichtig, aber immer noch besser als der Text.}) 18. Bf4 (18. Bc1 $142 Rxb5 19. Qa2 O-O 20. Ba3 Re8 21. Rfe1) 18... Rxb5 19. Qa2 O-O 20. Nd2 {[%cal Gd2b3,Gb3c5] Wenn er erstmal auf c5 steht, ist er ein Monster.} (20. Ne1 {[%cal Ge1d3,Gd3c5] wäre allerdings die genauere Route gewesen, weil man nach} g5 21. Bd2 {hat.}) 20... Kh8 (20... g5 21. Be3 Nf5 22. Ne4 Nxe3 23. fxe3 Qe7 24. Rae1 Rd8 25. Nc5) 21. Nb3 Qb6 22. Nc5 Rb2 $2 {Diese Pseudoaktivität verschlimmbessert seine Lage nur.} 23. Qa3 {[%cal Ga3e7]} Re8 $4 (23... Rb5 24. Rfe1 {und der Schwarze hat Schwierigkeiten, überhaupt Züge zu finden.}) 24. Na4 1-0

Mit 3½ Punkten hängt es stark von der Wertungslotterie ab, ob man sich qualifiziert. Ich hatte Glück. Zwar lief ich nur als Neunter über die Ziellinie, aber da zwei Spieler vor mir schon aus früheren Vorrundenturnieren qualifiziert waren, reichte das für die Berechtigung zur Finalteilnahme aus. Nach dem auch befriedigend verlaufenen Meisterturnier der Landesmeisterschaft, erklomm die DWZ mal wieder den 2000ergipfel. Zwei weitere Teilnehmer des ESV Rot-Weiß Göttingen, schnitten mit jeweils 2½ Punkten knapp unterhalb ihren Erwartungen ab: Martin Werner ebenfalls in der B-Gruppe und Prof. Dr. Arnold Otten in der E-Gruppe. Für den Bezirk Südniedersachsen sprangen mit Frank Deckert (SG Holzminden), dem Hildesheimer Dr. Stephan Meyer und dem Parenser Ulrich Schütte in der C-Gruppe und dem Parenser Christoph Homann als Vize in der E-Gruppe sowie dem Hildesheimer Lobosch Hintze in der F-Gruppe eine ganze Reihe weiterer Qualifikationsplätze heraus. Dazu kommen noch die beiden bei den Landesjugendmeisterschaften weilenden Kinder von Christoph Homann, die schon vorher in der E-Gruppe qualifiziert waren.

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